Egelei & Schlachtfest!

[Cordula] Diese Woche floß bei uns zweimal Blut. Einmal am Donnerstag, denn da kamen unsere neuen Familienmitglieder zum Einsatz. Workaway- Aaron bekam ihre Ankunft am Mittwoch noch mit. Zwar saß er schon halb im Auto, weil er zum nächsten Hofprojekt fahren wollte, ließ sich das Spektakel der Eingliederung jedoch nicht entgehen. So war er dabei, als das Aquarium mit einer Mischung aus Teich- und Regenwasser befüllt und unsere medizinischen Blutegel dort hineingesetzt wurden. Irgendwie sehen sie ja eim bißchen wie Nacktschnecken aus, aber sie sind erheblich schneller! Hin und her schossen sie, und zwei von ihnen verließen erstmal das Wasser und saugten sich am Glasdeckel fest!

Warum ich es wagen wollte, Lisa Blutegel zu setzen? Nun, zum einen haben mich Blutegel und ihr Einsatz in der Heilkunde bereits vor vielen Jahren fasziniert. 1998 (vor achtzehn Jahren, hilfe!) buchte ich ein Seminar, um ihre Anwendung zu erlernen. Leider brannte dann unser Bus in Spanien aus, und mit ihm verbrannte Bargeld, Kleidung, Bücher, Ausrüstung, meine Brille... und ich war gezwungen, alle von mir gebuchten Seminare zu stornieren: Blutegeltherapie, Baunscheidtieren, traditionelle Harnschau... hach, was wollte ich damals nicht alles lernen! Und als mir unsere Tierheilpraktikerin letzte Woche erzählte, daß die Egel das beste wären, was ich für Lisa machen könnte, und sie mir sogar zutraute, ihr diese unter Skypeanleitung zu setzen, gab es für mich kein Halten mehr. So zogen sie bei uns ein, sechs große medizinische Blutegel. Und dann bekam ich doch etwas Angst vor meiner eigenen Courage...

Bereits, als wir die Blutegel aus dem Wasser fischten, zeigten sie uns, daß sie nicht ganz einfach zu handhaben sind: Einer von ihnen brachte es fertig, sich an Peters Finger festzubeißen! Ich sehe noch Peters geschockte Miene vor mir... Und dann funktionierte Skype nicht, so daß wir alles über Whatsapp machen mußten. Der erste Blutegel saß bald am Gelenk, der andere ging erstmal auf Wanderschaft. So mußten wir nicht nur Lisa festhalten, der das Spektakel etwas unheimlich war, sondern gleichzeitig noch auf Blutegelfang gehen! Dann saß aber auch dieser Blutegel, und wir atmeten auf. Bis sich dann erst ein einzelner Blutstropfen beim zweiten Egel zeigte, und dann noch erheblich mehr Blut. Beide Egel pumpten richtiggehend, der erste fiel bald ab, der zweite badete noch einige Zeit im Blut, bis auch er sich entschied, daß er satt war. Das Blut lief nicht weiter, nachdem er sich gelöst hatte, so daß jetzt klar war, daß er einfach nicht richtig zugebissen hatte- oder den Mund nicht voll genug hatte können...

Da Blutegelbißwunden noch einige Stunden nachbluten, legten wir unserer tapferen Lisa einen leichten Verband an, damit das Blut aufgefangen werden konnte. Zur Belohnung gab es dann einen leckeren Kauknochen. Mal sehen, wann sich die Wirkung der Behandlung zeigt.

Das zweite Mal floß heute Blut. Und zwar das von drei Puten. Heute war Schlachtetag! Hier sitzen sie noch glücklich auf dem Hühnerstall: Ein, zwei, drei Puten und ein, zwei, drei Hühner daneben. Man weigert sich nämlich seit einigen Wochen, im Stall zu schlafen, und da die Puten zu groß sind für den Fuchs und die drei jungen Hühner der Gattung der Panikhühner angehören und sich nicht in den Stall treiben lassen, wird eben unter freiem Himmel übernachtet. Ob es jetzt genau diese drei Puten sind, die jetzt im Gefrierschrank liegen, weiß ich nicht, das werden wir heute Abend an der Besetzung des Daches sehen. 

 

[Peter] Auf jeden Fall haben wir jetzt einen ganzen Gefrierschrank voll mit Putenfleisch! Neun von Ihnen laufen noch bei uns herum, allerdings weiß ich jetzt schon, daß es die richtige Entscheidung war, noch eine Gefriertruhe zu bestellen... 

An so einem Truthahn ist richtig schön was dran, und je größer das Vieh, desto einfacher auch das Ausnehmen und Zerteilen!

Und so richtig aus dem Vollen schöpfen zu können ist auch einmal was Schönes - eine Keule mit 2kg oder eine halbe Brust mit 2,5kg sind schon fein! 

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