Surströmming und anderes Getier

[Cordula] Besuch aus Österreich. Mutiger Besuch. Denn: Thomas wollte unbedingt den traditionellen Surströmming essen. Das wollten Brigitte und Mike letztes Jahr auch, und Peter, der wußte, was die Nase und die Geschmacksnerven erwartet, war auf das schlimmste vorbereitet- das im vorigen Jahr gar nicht eintraf. Denn der Surströmming, den ich im Ica gekauft hatte, roch nicht schlimm. Traf nicht gerade meinen Geschmack, aber war nicht so eklig, wie ich es erwartet hatte.

Surströmming- das ist verrotteter Fisch. Und so riecht und schmeckt er auch. Was letztes Jahr schief gelaufen war, das kann ich nur erahnen, aber dieses Jahr war er, wie er sein sollte. Die nette Verkäuferin hat ihn mir extra aus dem Lager geholt, und erst zuhause stellten wir fest, daß er seit Februar abgelaufen war. Was aber unerheblich war, denn verrottet ist verrottet, oder? 

Ich weiß nicht, wer von beiden die Büchse öffnete, Peter oder Thomas, ich war gerade bei den Hühnern, als ich Ekelgeräusche und Entsetzensschreie hörte. In weiser Voraussicht, diese Sorte Surströmming kannten wir nämlich nicht, war die Dose der Pandora draußen geöffnet worden- glücklicherweise. Kurz nachdem die erstickten Schreie mein Ohr erreicht hatten, kam der Geruch bei mir an: Ekelig. Widerlich. Verrottung. Verwesung. Tagelang in der Sonne gelegener Kadaver, auf dem Fliegen ihre Eier gelegt haben und widerliche Larven und Würmer es sich gemütlich machen. Diesen Geruch muß man erlebt haben! Schwer legte er sich über das gesamte Grundstück.

Das Angebot, ihnen eine Wäschklammer für die Nase zu besorgen, lehnten die beiden Männer heldenhaft ab und versuchten, den Surströmming ganz traditionell zu genießen: Mit Polarbröd, Kartoffeln, Gräddfil- und für die Betäubung der Geschmacksnerven starkem Alkohol. Es nützte alles nichts: Beide brachen die Mahlzeit ab. Ich saß lachend daneben und löffelte meinen Bionaturjoghurt mit eigenen roten Stachel- und weißen Johannisbeeren.

Hühner fressen ja normalerweise alles. Ohne Ausnahme. Aber vor dem Surströmming, der in ihrem Auslauf landete, flüchteten selbst die hartgesottensten unter ihnen. Das war ihnen dann doch eine Nummer zu heftig. Mehr brauche ich nicht dazu zu sagen, oder?

 

Außerdem war gestern Malen angesagt. Das war vor dem traumatischen Erlebnis mit dem Surströmming. Da die Westseite des Hauses jetzt so schön freigeräumt und mit Kies versehen ist, griffen Peter und ich zum Rödfärgpinsel, bürsteten die Fassade ordentlich ab (Männerarbeit :)), und dann malten wir sie. Dazu kramte ich meine alten Malerklamotten wieder raus.

Ich fuhr kurz in die Stadt, um Hundefutter abzuholen und einzukaufen. Als ich zurück kam, ging es Lisa nicht gut. Ich vermutete, daß sie  von einer Wespe gestochen wurde, und zur Bestätigung krabbelte dann so ein Mistvieh auf dem Boden des Wintergartens. Und eine kroch durch die Küche, und eine lag tot woanders auf dem Boden. Eigentlich habe ich nichts gegen Wespen, aber dieses Jahr ist es wirklich schlimm: Zwei Nester am bzw im Haus, eines in der großen Fichte direkt am Haus, eines im Gästhausdach, eines im Scheunendach, und eines bei den Puten. Jedenfalls kramte ich Apis heraus und verpaßte Lisa einige Globuli. Einige Stunden später ging es ihr wieder besser, wie man dem bettelnden Blick entnehmen kann: Frauchen, Frauchen, spiel mit mir!  Edda natürlich mit dabei, denn während Lisa den Ball jagt, jagt Edda Lisa. Aber mit dem Werfen muß ich aufpassen, denn Lisa hat es nicht nur mit der Hüfte, sondern auch mit dem rechten Vorderlauf, sie humpelt schon seit Ostern, mal stärker, mal weniger stark und bisher therapieresistent.

Ach ja, und das hübsche Halstuch von Edda ist kein richtiges Halstuch. Es soll eine Naht schützen, denn Edda wurde letzten Freitag am Hals genäht. Das kommt davon, wenn Frauchen allein versucht, die Verfilzungen aus dem Pelz zu schneiden. Zuerst hatte ich ein chices oranges Teil für sie genäht, aber Orange ist einfach nicht ihre Farbe, und da es durch verbotenes Baden fast umgehend naß wurde, mußte ein braunes T- Shirt herhalten. Das steht ihr eindeutig besser.

Unsere Puten gehen seit zwei Wochen tagsüber raus. Morgens können sie es kaum erwarten, den Stall zu verlassen, und abends gehen sie ganz brav von allein ins Bettchen. Es sei denn, die Tür ist zugeweht, dann sitzen sie auf den Stufen davor und warten darauf, daß man sie hinein läßt. Jedenfalls klappt das alles so gut, daß wir heute den Zaun geöffnet haben, damit sei vollständig frei gehen können. War das eine Freude und ein Geschnatter!  Ganz aktuell haben sie sich in zwei Gruppen geteilt: Eine Gruppe, die sich immer mehr dem Hühnerbereich nähert und alles genau in Augenschein nimmt. Und eine zweite Gruppe, die es nicht ganz begriffen hat und nicht versteht, warum sich ein Zaun zwischen ihnen und ihren Freunden befindet... na, auch sie werden irgendwann ihren Weg finden und die totale Freiheit genießen...

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ingo (Freitag, 05 August 2016 07:11)

    Ich würde gerne den ganzen Beitrag lesen, aber das Schriftbild verursacht bei mir Augenkrebs.